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Seit vielen Jahren hält sich das Gerücht im Silbermarkt, dass die Reserven in den Minen weltweit in den kommenden 10-20 Jahren abgebaut sein würden und der Silberpreis deswegen vor einem gigantischen Anstieg stünde.

Vor knapp 10 Jahren schätzte die renommierte US-Regierungsbehörde USGS (United States Geological Survey) die Menge der noch verfügbaren Silberreserven auf 270.000 Tonnen weltweit. Bei der damaligen Jahresförderung von 20.900 Tonnen weltweit konnte man also recht leicht zu der Schlussfolgerung kommen, dass bei gleichbleibender Förderung die Reserven in 13 Jahren aufgebraucht seien.

Allerdings aktualisiert USGS seine Statistiken jedes Jahr und die Reservenzahlen bleiben nicht gleich, sondern verändert sich. Vor allem in Phasen, in denen die Basis- und Edelmetallpreise stark steigen, macht es Sinn, die Explorationsaktivitäten zu erhöhen und nach neuen Vorkommen zu suchen, sowie bereits entdeckte Ressourcen in Reserven umzuwandeln. Je mehr man bohrt, desto mehr können die Ressourcenkategorien („measured“, „indicated“ und „inferred“) in Reserven umgewandelt werden. Die weltweiten Ressourcen sind also um ein Vielfaches höher als die ausgewiesenen Reserven.

Und siehe da, als die USGS letztes Jahr die neuesten Zahlen veröffentlichte, standen die weltweiten Reserven bei 570.000 Tonnen Silber. Das ist mehr als doppelt so viel wie noch 2009. Und dem nicht genug: Die jährliche Minenförderung erhöhte sich 2016 auf ein neues Rekordhoch von 26.800 Tonnen Silber. Und so vewundert es auch diesmal nicht, dass heute so manch einer argumentiert, dass bei gleichbleibender Förderrate die Reserven in 21 Jahren aufgebraucht sein würden und der Silberpreis deswegen vor einem starken Preisanstieg stünde. Mal schauen, wie sich das Bild in 10 Jahren verändert hat, vor allem wenn der Silberpreis stark angestiegen ist…

Zu diesem Thema sei die umfangreiche Untersuchung von Harald Sverdrup, Deniz Kocaa und Kristin Vala Ragnarsdottirb empfohlen, die 2014 im Elsevier-Verlag erschien („Investigating the sustainability of the global silver supply, reserves, stocks in society and market price using different approaches") und auch im Internet verfügbar ist. Basierend auf verschiedensten Ansätzen, Modellierungen und Simulationen kamen die Wissenschaftler zu der Schätzung, dass die „ultimativ förderbaren Silberreserven“ irgendwo zwischen 2,7 bis 3,1 Millionen Tonnen liegen, wovon etwa die Hälfte (1,35 bis 1,46 Millionen Tonnen) bereits abgebaut wurde.

Nach ihren Berechnungen steht „Peak Silver“ (also der Hochpunkt der weltweiten Minenförderung; d.h. danach wird immer weniger ans Tageslicht gefördert) irgendwann in den Jahren zwischen 2027 und 2038 bevor (beste Schätzung: 2034). Aufgrund der starken Industrienachfrage und den begrenzt verfügbaren Mengen soll der Silbermarkt ab 2075 akut gefährdet sein („at risk“; was auch immer das konkret heissen mag). Nach 2100 wird das meiste Silberangebot aus dem Recycling kommen müssen. 2650 soll dann der Zeitpunkt sein, wann das Silber schliesslich „zu Ende geht“ („when silver finally runs out“).

Allerdings sind dies auch nur Menschen, Computersimulationen und mathematische Gleichungen, die alle zusammengenommen auf Teufel komm raus versuchen, ein konkretes Ergebnis auf die komplexe und unmöglich zu beantwortende Frage zu finden: Wieviel Silber gibt es noch auf der Welt und wann werden wir es unwiederbringlich verkonsumiert haben?

Der Teufel steckt jedoch bekanntlich im Detail

Eines der Modellannahmen ist beispielsweise ein nur langsamer Silberpreisanstieg in der Zukunft. Zudem wird angenommen, dass es grosse technologische Fortschritte beim Recycling geben wird. Ferner können die menschlichen Verhaltensweisen in solchen Modellen nie richtig berücksichtigt werden, denn wie jeder weiss, ist Silber viel mehr als nur ein Industriemetall, sondern eben auch ein Währungsmetall, das von den politischen und sozialen Rahmenbedingungen stark beeinflusst werden kann.

Da die Produktionskapazitäten von Gold- und v.a. Silbervorkommen im Vergleich zu anderen Bodenschätzen – im krassen Gegensatz zur unendlich steigerbaren Papiergeldproduktion – auf natürliche Weise begrenzt sind, bestückte der Mensch solch wahrhaft "edle" Metalle mit relativen Eigenschaften wie "selten", "kostbar" und "wertvoll". Jahrhundertlange Geschichte hat uns gelehrt, dass politische Versprechen (die Basis des Papiergeldes) nicht immer für "voll" genommen werden konnten, doch dass Gold und Silber, ganz gleich ihrer relativen (und somit kurzfristig verwässerbaren) Preise, immerwährend als "wertvoll" angesehen wurden. Ein Grund, warum gerade diese beiden Edelmetalle zeitlos als Geld betrachtet werden – ganz gleich ihrer offiziellen Stellung im "modernen" Regierungs- und Finanzsystem ("barbarisches Relikt").

Mit anderen Worten: Der Silberpreis hat es gar nicht nötig, nur auf seine Reserven reduziert zu werden, um zu argumentieren, dass der Silberpreis vor einem grossen Anstieg steht. Ganz im Gegenteil: Silber ist ein Rohstoff, dessen Minenförderung überhaupt nicht vom Silberpreis, sondern von unzähligen Faktoren abhängig ist, u.a. von Kupfer-, Zink-, Blei- und Gold-Minen und -Preisen. Genau das ist es doch, was Silber und Gold erst so interessant und wertvoll macht – dass man die Angebotsseite nicht willkürlich bzw. nach Belieben ausweiten kann. Je schwieriger es ist, die Angebotsseite zu beeinflussen, desto besser geeignet ist es, als stabiles Geld zu fungieren.

Und wenn es in 10 oder 20 Jahren schon gar keine Silberförderung mehr geben würde, dann hätte es auch schon längst seine monetäre Eigenschaft verloren und wäre lediglich ein Industriemetall unter vielen.

Wir sollten froh sein, dass die Silbervorkommen noch lange nicht erschöpft sind, denn erst dadurch kann es seine monetäre Funktion langfristig bewahren. Vielmehr sollten wir uns vor Augen halten, wie knapp und selten Silber „über der Erde“ ist. Gold hat relativ wenige bedeutende Einsatzfelder in der Industrie. Silber ist eines der am vielfältigsten benutzten Metalle und hat oftmals kein konkurrierendes Substitutionsmetall. Gold wird gehoben und anschliessend gehortet. Silber wird gehoben und sofort verbraucht (und somit grösstenteils verloren). Während die überirdischen Goldbestände kontinuierlichan wachsen, verringern sich die Silberbestände in zunehmendem Maße.

Schlusspunkt

Die Investmentlegende Harry Schultz war einer der grössten Befürworter des Gold-Standards, also die Deckung der Währungen mit Gold. Es sei natürlich wünschenswert, dass wir in Zukunft zu einem Gold-Standard zurückfinden werden, doch auch ohne eine solche „natürliche Bremse“ für Zentralbanker können wir uns schützen und auf die Zukunft vorbereiten, und zwar mit unserem eigenen, persönlichen Gold- und Silber-Standard, indem wir beide Metalle physisch halten. Denn sowohl Gold als auch Silber werden seit Jahrtausenden als Währungsmetalle betrachtet. Das abschliessende Zitat von Harry Schultz entstammt aus dem Buch „Die Gold-Verschwörung“ von Ferdinand Lips und betrifft Silber gleichermaßen:

„Ich bin Pro-Gold, unabhängig vom Preis! Ich kämpfe nicht für Gold, um aus Goldaktien, Barren oder Münzen Gewinne einzufahren! Die Bedeutung des Goldes hat gewichtigere Gründe, und es wäre mir peinlich, mich nur aus Gründen des finanziellen Gewinns für Gold einzusetzen. Gold ist der unverzichtbare Dreh- und Ankerpunkt unserer individuellen Freiheit (und nicht der einer Gruppe und Nation). Gold gehört als ein massgebender Faktor zum Geldsystem. Wir müssen zurück zum Gold Standard. Früher war ich noch kompromissbereit, indem ich sagte, dass es ein Quasi-Gold Standard auch richten könnte, sozusagen eine modifizierte Bretton Woods Version. Und so etwas wird sich wahrscheinlich auch herauskristallisieren. Aber meiner Ansicht nach sollten wir für einen reinen Gold Standard kämpfen, für die altmodische Form, denn sie hat funktioniert. Und nicht nur aus finanzpolitischen Beweggründen!

Der Gold Standard zwang Nationen, ihre Schulden, ihre Ausgaben und ihre sozialistischen Pläne in Grenzen zu halten. Das bedeutete, dass sich um diese Begrenzungen herum vernünftige Verhaltensgewohnheiten bildeten, und diese Verhaltensgewohnheiten färbten auf jedermann ab. Die Menschen waren ehrlicher, moralischer, anständiger und freundlicher, weil das System ehrlich und moralisch war. Ursache und Wirkung. Heute haben wir Ursache und Wirkung des gegensätzlichen Standards: Keine Grenzen mehr, was Regierungen tun, kontrollieren und diktieren können; keine Grenzen für Staatschulden, Wohlfahrt oder sozialistische Pläne. Es gibt keine kontrollierende Instanz, die die Regierung kontrolliert. Diese Verhaltensweise färbte auf die Bevölkerung ab und veranlasste sie, Schulden zu machen und den Respekt vor dem System und aller Moral zu verlieren. Die Folge sind mehr Scheidungen, Betrug, Kriminalität, aussereheliche Kinder, zerbrochene Elternhäuser. Wenn das Geld eines Landes seine Basis bzw. Deckung verliert, gibt es keinen Standard für jegliches Verhalten mehr. Geld setzt einen Standard, der sich in jeden Bereich menschlicher Aktivität ausbreitet. Keine Deckung des Papiergeldes – keine Moral. Deswegen funktionierte Goldmünzengeld so gut, und deshalb bewegten sich die USA nur sehr langsam und vorsichtig in Richtung Papiergeld und behielten längere Zeit die 100%ige Papier-Dollar-Deckung mit Gold bei.

Doch ganz langsam, wie beim scheibchenweisen Schneiden einer Salami, wurde diese Deckung in mehreren Stufen beseitigt, bis schliesslich überhaupt keine mehr vorhanden war. Die Auswirkungen dieses Malaise umgeben uns alltäglich. Brutale Spielfilme reflektieren eine brutale Gesellschaft, und eine solche reflektiert Respektlosigkeit innerhalb der Gesellschaft. Mehr und mehr werden wir verdorben, wenn Geld Sicherheit verliert. Die heutige Aktienmarktblase ist Bestandteil dieser Szene, genau wie der morgige Mega-Crash und die Mega-Rezession es sein werden.

"Der Grosse Bruder" wurde erst durch das Fehlen automatischer Kontrollen und den Verlust individueller Freiheit mittels einer nichtkonvertierbaren Währung möglich gemacht. Also, sagen Sie es weiter. Kämpfen Sie fürs Gold. Nicht der Profite wegen, obwohl sie nützlich sind und uns beim Kampf für individuelle Freiheit helfen, sondern kämpfen Sie für eine Zukunft, die wieder zu einer gesunden Geisteshaltung auf mannigfaltigen Ebenen zurückführt. Wenn wir einen Gold Standard haben, bekommen wir auch einen goldenen menschlichen Standard! Die beiden sind miteinander untrennbar verflochten. Sie haben allerhöchste Ursache und Wirkung. Gold segnet!“

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Disclaimer: Die hiesigen Ausführungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Autor, Stephan Bogner, ist Geschäftsführer der Elementum International AG; eine schweizerische Firma, die ausschliesslich auf die Lagerung von physischen Edelmetallen in der Hochsicherheitstresoranlage im St. Gotthard Massiv in der Zentralschweiz spezialisiert ist. Investitionen auf dem Gebiet der Edelmetalle unterliegen bestimmten Risiken. Neben der allgemeinen Investitionsrisiken unterliegen sie auch bestimmten Risiken, die von der Struktur dises Marktes ausgehen. Deshalb bitten wir Sie, unsere Risikohinweise aufmerksam zu lesen. Für Investitionen sind jeweilige Vertragsdokumente und in diesen enthaltene Risikohinweise maßgebend. Die Gesellschaften Elementum International AG und Elementum Deutschland GmbH, sowie der Betreiber von Rockstone Research, übernehmen keinerlei Gewähr für die Folgen von Handlungen, die aufgrund der Informationen in den elektronischen Publikationen oder auf den Internetseiten der Gesellschaften oder sonstwo ausgeführt wurden. Investitionen sind immer mit verschiedenen Formen von Risiken verbunden. Einstige Profite sind keine Garantie für zukünftige Profite. Es wird empfohlen, dass Sie sich bei Investitionen immer der Hilfe von Experten bedienen oder sich mit Experten beraten. Vor einer Investition ist es empfehlungswert, genau festzulegen, welche Finanzziele Sie verfolgen, diese dann nach Relevanz einzuordnen, um dann festzustellen, welches Risiko Sie bereit sind, einzugehen, sodass alsdann ein kompletter Finanzplan von einem registrierten Finanzberater erstellt werden kann. Bitte holen Sie sich vor einer Investition zwingend einen Finanzberater zur Seite und lesen Sie die vollständigen Disclaimer hierhier und hier.

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